Der Hofrat und sein Kreuzzug

Es gab mal früher, ganz am Anfang des Wirkens von Settembrini, die allgemeine Auffassung, das Dungeons schlecht, gutes Rollenspiel seichtes Dahinlabern und jedes System, das völlig unausgegoren, dafür  aber kompliziert war, realitätsnah war. Und noch schlimmere Sachen: wenn die Spieler  nicht wollen, zwinge sie zu ihrem Glück und deiner Story, und dererlei Abstrusitäten mehr. Dann kam Settembrini, hat in lauter, schreieender Manier (die damals nötig war, nicht zu vergessen) DSA als Absurdität offen gelegt, den Fokus von Geschichten wieder zurück zum Spielen gelenkt, und viele Leute haben sich Gedanken gemacht, wie sie spielen wollen. Einige haben sich dem Kreuzzug angeschlossen (z.B. Skyrock), andere haben zum erstenmal argumentiert, wie sie spielen wollen. Schlussendlich wurde der Begriff „gutes  Rollenspiel“ als subjektiv anerkannt, Diskussionen um Systeme und Dungeons und Abenteuer waren nicht mehr verpönt, und jeder konnte sagen, wie er sich Rollenspiel vorstellt, ohne gleich dafür gesteinigt werden müssen. Damit war das Ziel erreicht, alle wären zufrieden und glücklich und Settembrini, zusammen mit anderen, wäre ein Wächter gewesen, der diesen Status bewacht hätte.

Nun gibt es eine alte Weisheit: „Kämpfe nie gegen etwas, sondern immer für etwas!“ Sonst wird nämlich die Wahl der Mittel beliebig, und der Pakt mit dem Teufel schleicht sich ein.

Es gab da nämlich letztes Jahr eine neue Edition des ältesten Rollenspieles überhaupt. Es hatte ein paar größere Änderungen, ein stringentes Kampfsystem, die Charaktere konnten auf der ersten Stufe endlich mehr als nur draufhauen oder weglaufen, Magier wurden nicht mehr übermächtig, und man musste nicht mehr auf Stufe 1 seinen Charakter bis zum Ende planen. Das hat zu zwei riesigen Fronten im Internet geführt. (Und dann gab es noch die Old-School-Welle mit früher war alles besser, aber die lassen wir jetzt raus) Und Settembrini mochte das Spiel nicht. (Was immer noch sein gutes Recht ist) Leider startete er einen neuen Kreuzzug: Vernichtet D&D4. Und ab da wurden alle Schranken gerissen: Man freute sich auf einmal über den Niedergang deutscher Übersetzungen:

Set: Kreative Zerstörung
Korrektes Antworten darauf von RabenAas hier:  RabenAas: Kein deutsche D&D mehr

Und wie man sieht, geht man mit dem Zerstörungswillen auch irgendwann mit dem Teufel ins Bett:

The Prussian Gamer: Schlechter als DSA.

Nur aufgrund eines schlechten Beitrages wird jetzt DSA wieder in den Himmel gelobt, dasselbe DSA, das unter dutzenden, wenn nicht hunderten solcher Artikel zu Spielleiterbeschiß zu leiden hat? Dasselbe DSA, das mit seiner 3W20-Probe +- selbst Akademiker in den Wahnsinn treibt, wenn sie die Wahrscheinlichkeiten berechnen wollen? Daselbe DSA, das den MonoRail-Hochgeschwindigkeitsexpress „Das Jahr des Feuers“ verbrochen hat? (Mein endgültiger Ausstieg aus DSA – Wenn ich spiele, dann nur mit 3 und der alten Gruppe. Die hat sich in der Komplizierheit eingerichtet) Alleine die Attacke-Parade-Attacke-Parade-Attacke-Hurra Treffer-kein Schaden wegen Rüstung-Orgie ist schon alleine ein Grund, nicht kämpfen zu wollen. Hab ich selbst im letzten Abenteuer erlebt.

Man muss ja D&D4 nicht mögen, aber dessen Regeln sind klar und durchdacht. (Zu D&D4 werde ich irgendwann auch nochmal bloggen.) Und nicht auf eine Hintergrundwelt bezogen. Womit auch das Argument, „Wääh, meine Hintergrund ist kaputt“ nicht im Ansatz valide ist. Spiel halt in einer anderen. Aber ausgerechnet jetzt DSA hervorzuzerren, wo man schon (zurecht) darauf rumgetrampelt ist, und das dann wegen „Hintergrund“ und „Rondra zum Gruße!“? Au weia.

Und deswegen nochmals: „Kämpfe nie gegen etwas, sondern immer für etwas, sonst verlierst Du dein Ziel aus den Augen!“

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Rollenspiel abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Der Hofrat und sein Kreuzzug

  1. Prisma schreibt:

    Einen Moment, mein Lieber!

    1.
    Die „allgemeine Auffassung” von der Du hier sprichst, ist gar nicht so allgemein. Ich habe mich seit je her außerhalb von DSA herumgetrieben, da gab es keine „allgemeine Auffassung” wie gutes RPG auszusehen hat.
    Die Auffassung „wie man zu spielen hat” mag ein DSA spezifisches Problem (bzw. genauer: das Problem einiger Autoren) sein, aber kein allgemeines!
    Zwar fährst Du in Deinem Beitrag dann Bezug auf DSA, aber das sollte man doch bitte richtigstellen.

    2.
    An den selbstlosen Intentionen des Hofnarrs ist wie Du weißt zu zweifeln. So egomanenhaft-arrogant und elitär wie er und seine Anhänger (etwa Skyrock) sich geben, macht deutlich, dass es ihnen bloß darum geht ihre eigene Meinung vom „guten Spiel” durchzusetzen. Es geht ihnen nicht um „hab Spaß wie du willst”, sondern um „hab gefälligst Spaß wie Settembrini & Co es für richtig bestimmen”. Im Grunde genommen sind sie mindestens genau so schlimm wie jene DSA Autoren die Railroading und den ganzen Mist vorschreiben.

    3.
    Übrigens läßt sich das „Rollenspielutopia” von Settembrini & Co ziemlich leicht argumentativ demontieren. Skyrock hatte damals nicht die Eier sich meiner Argumentation zu stellen, als ich die acho so harte Dungeonwelt in der es um Leben und Tod gehen soll, als Plüschkampfwelt mit Netz und doppeltem Boden entlarvte.
    Er warf mir vor, ich würde gegen andere Spielarten aggressiv vorgehen und wünschte sich mehr Toleranz – er (!) aus gerechnet er (!) hatte die Dreistigkeit das zu schreiben – wohlgemerkt ohne sich meinen Argumenten zu stellen.
    Überrascht hat es micht nicht. Die pure Ignoranz von Gegenargumenten war schon immer ein gernbenutztes Kampfmittel dieser Leute.

    4.
    Diesen Leuten geht es nur darum Einfluß über die Szene zu erlangen, nicht sie zu bereichern.
    Ich finde es mittlerweile ziemlich schlimm das man überhaupt über diese Typen redet.

    • Contra-254 schreibt:

      zu 1. Das mag vielleicht für dich un dein paar andere Erleuchtete gelten, de facto war aber DSA in D synonym mit Rollenspiel, es kannte jeder. Und der Einfluss des „richtigen Rollenspiels“ bemerkte ich in jeder Runde, in der ich mitgespielt hatte. (Und das waren einige!) Schau auch mal auf Anzahl und System von Conrunden, auch hier gibt es eine deutliche Sprache. Und übe DSA hinaus gab es die WoD, deren (meisten!) Spieler ähnliches propagiert haben. Selbst SR hatte diesen Einschlag. Ich selbst war davon beinflusst, und die Wellen, die Settembrini geschlagen hatte, waren nur ein weiterer Beweis dafür. Insofern kann man schon von einer allgemeinen Auffassung sprechen. Das es andere Meinungen zur allgemeinen gibt, ist ja überhaupt nicht ausgeschlossen.

      zu 2. Settembrinis Intentionen war nie in den Artikel hineingeflossen, an „in lauter, schreiender Manier“ hättest du das sehen müssen. Fakt ist aber, das er zu einer Diskussion geführt hat, in der man sich vom einzigen Ideal „Charakterdarstellung“ entfernt hat hin zu einer differenzierteren Betrachtungsweise. Was er genau im Sinne hatte, bleibt auf ewig sein Geheimnis, er war aber der Wellenbrecher in einer von einer dogmatischen Meinung beherrschten öffentlichen (Nicht-)Diskussion. Das ist sein Verdienst, eben jenen Wellenbrecher gespielt zu haben. Wie gesagt, du magst es anders sehen, aber meine Wahrnehmung zu jener Zeit war komplett eine andere. Als überzogenes Beispiel sei hier der Zuckerbäcker mit Watte-umwickeltem Stuhlbein als gutem Rollenspieler genannt. Hinter dieser Karikatur verbirgt sich tatsächlich die Geisteshaltung der damaligen öffentlichen Meinung. (Übrigens nur in D., im englischsprachigen Teil tobte schon der „System DOES matter“-Ansatz.)

      zu 3. Mit der Argumentation in (2) lässt sich sagen, daß ich keine Aussage über das „Rollenspielutopia“ von Set, skyrock und Co. geschrieben habe. Zitat:
      „… und jeder konnte sagen, wie er sich Rollenspiel vorstellt, ohne gleich dafür gesteinigt werden müssen.“
      Das zeigt ziemlich deutlich, worum es mir geht. Dein Diskussionsansatz ist ja schon Teil dieses Prozesses, du machst Argumente und dir Gedanken. Das wollte ich herausstellen, die Diskussion an sich, nicht das Ergebnis.

      zu 4. Möglich, aber sie haben sie bereichert. Und ich fände es schlimmer, wenn irgendwas oder -jemand totgeschwiegen werden würde. Wir leben in einer offenen Streitkultur, in der sich Meinung durch Auseinandersetzung bildet, nicht durch diffuses „Wir reden nicht darüber.
      (Oder anders:(Zitat) Ich bin nicht deiner Meinugn, aber ich würde dafür sterben, daß du sie äußern darfst.)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s