DSA4 – Ogottogottogott

Mir hat es mal wieder einen Kälteschauer den Rücken runter gejagt und mich daran erinnert, warum ich mit Erscheinen von “Schwerter und Helden” (Was das Regelwerk vernichtet hat) und  “Schlacht in den Wolken” (Was die Welt vernichtet hat) aufgehört habe, DSA zu mögen. Und das, obwohl ich DSA intensivst gespielt habe, und kurz davor war, wieder mal in aktuelle Settingbücher reinzuschnuppern.

Es war dieser Thread im Alveran-Forum:

Kritik an 4. Edition

Das Erschaffungssystem ist derart kaputt, dass ich, wenn ich richtig wähle, eine Charakter erschaffe, der ca. doppelt bis dreifach so gut ist wie jemand, der einfach nur “Standard” auswählt? Gewisse “Klassen” sind nicht ohne massive Zuhilfenahme von Nachteilen zu haben?

Gekrönt wird das Ganze dann noch mit Aussagen der Teilnehmer wie: “Das Erschaffungssystem hat ja gar nicht zum Ziel, ausgewogene Charaktere zu ermöglichen, sondern nur die volle Bandbreite” – “Leute, die ihren Charakter optimieren, sind eh doof!”  usw. usf.. Okay, hier das Gegenargument: WENN die Charaktererschaffung es nicht zum Ziel hatte, ausgewogene Charaktere zu erschaffen, wieso dann der ganze Bohei um Generierungspunkte, Startpakete, Talentboni, Vorteilskosten usw.? Wenn man keine ausgewogene Charaktererschaffung will, dann braucht man auch nicht mit solchen Werkzeug operieren, da reicht die alte Auswürfelerschaffung oder ein “Bau Dir, was Du brauchst, und frag dann deinen Spielleiter” völlig. Dazu muss man nicht in elementarer Mathematik (Addition von natürlichen Zahlen) grundversagen. Und Charakteroptimierung ist es, wenn ich aus verschiedenen GLEICHWERTIGEN Optionen auswählen kann, nicht wenn eine Bauweise so sehr hervorsticht, dass man sie nehmen muss. Das hilft auch denjenigen Leuten, die sich mehr auf ihren zu erstellenden Charakter konzentrieren wollen anstatt an Werten rumzubasteln, einfach weil sich sich nicht völlig übervorteilt fühlen, wenn der nach Zahlenwerten zusammengebastelte Charakter neben ihnen so ca. viermal überlegen ist. DAS erzeugt Frust und Munchkins, denn natürlich will man mit seinem Charakter auch etwas erreichen und nicht nur danebenstehen, weil er zwar rollengerecht ist, der Supermann neben einem aber die ganze Zeit die Show stiehlt. Ein ausgewogenes System ist also fördernd für Charakterkonzepte. 

Und für einem System, das dann die Erzählkunst fördern soll, brauche ich nicht 4 3-Kilo-Wälzer an Grundregelwerk. Plus Kreaturenbuch. Ohne Hintergrundbücher.

Mal abgesehen von den anderen Absonderlichkeiten im Regelwerk wie den 3W20 – Fertigkeitsproben mit Hin- und Zurückrechnen, welches den Spielleiter ohne Schnelleinschätzung einer Probenschwierigkeit im Regen stehen lässt und die Probe selbst den Spielfluss komplett unterbricht mit einer Menge Rechenarbeit, den selten zaubern könnenden Zauberern, dem Attacke-Parade-Kampfsystem, wo ein Kampf einfach Ewigkeiten dauert, den Sonderfähigkeiten, deren Manöver dann 40 Seiten weiter stehen, damit man ja keinen Überblick erhält, die unglaublich detaillierte, aber unglaublich nichtfunktionale Welt, die 72.135 verschiedenen Spezialregeln für alles mögliche, und, und und,…

In dieser kompletten Zusammenstellung an eigentlich unspielbarem wird es (meiner Kenntnis nach) nur noch von “Ruf des Warlock” geschlagen. Damit haben wir aber dann den absoluten Tiefpunkt an Regeldesign erreicht…

Insgesamt vermisse ich seit meinem Abschied nur dieses heimelige Gefühl in der Welt alles zu kennen und die “kleinen” Abenteuer zu erleben, aber selbst da hat man ja mit “Schlacht in den Wolken” vorgesorgt.

Spielen tu ich ja noch als Spielleiter in meiner “Der Weg war lang, mein Freund, aber noch sind wir nicht am Ziel!” mit dem Regelsystem DSA3. Diese Runde besteht schon so lange, da hat das Regelsystem dann auch keine Auswirkungen mehr. Außer dass ich weniger Kämpfe einbauen werde, die werden einfach langweilig mit Attacke-Parade-Kein-Treffer-Attacke-Parade-Kein-Schaden-System.

So, dieser kleine Rant geht seinem Ende entgegen, anzumerken sei nur noch, das ein guter Freund von mir sich mal ein T-Shirt hat machen wollen:

“Wer DSA spielt, ist selber schuld”

So isses!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Rollenspiel abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu DSA4 – Ogottogottogott

  1. Prisma schreibt:

    Du hast ja recht, aber das Pferd ist doch schon lange tot. (Dennoch kann ich nachvollziehen, dass es innerlich hin und wieder schmerzt.)

    Übrigens, danke für die Würdigung.

  2. Sven schreibt:

    Bitter aber alles alt bekannt. Aber wer weiß, vielleicht wirds ja besser mit Ullises?

  3. Pingback: Umstieg auf eine neue Edition (und ein bischen Balancing) « TPK – Total Party Kill

  4. Rollenspiel schreibt:

    Vielleicht hätte DSA Mal ähnlich dramatische Schritte wie D&D nötig – natürlich Schritte im Sinne und mit dem Spielziel von DSA und nicht D&D.

    Die Community wird aufschreien, man wird es verteufeln und die alten Hasen wenden sich angewidert ab, aber manchmal führen nur dramatische Schritte zu einem vernünftigen Neuanfang.

    P.S.: Danke für die Erwähnung von Ruf des Warlock. Das empfinde ich übrigens als nicht besonders viel mehr oder weniger verkorkst als sein Vorbild: Midgard – was kein Lob für eines der beiden Systeme ist. Schön zu sehen, dass es noch andere kennen.

  5. Christoph schreibt:

    Moin,

    tja, komisch. Auch ich spiele DSA4, trotz und mit seinen Tücken und Fallen, und haben sogar Spaß damit. Und siehe da, auch Midgard spiele ich seit vielen Jahren und mag das System sehr.

    So gehen die Geschmäcker auseinander.

    Und ich kenne nicht nur diese beiden Systeme. Vielleicht bin ich einfach toleranter und weniger Kritisch, was Regelwerke angeht. Ich nehme sie idR so hin wie sie sind ohne mir groß Gedanken zu machen.

  6. Scorpio schreibt:

    Das besondere an Rollenspielen ist eben, dass man auch mit schlechten Systemen viel Spaß haben kann, da der soziale Aspekt so wichtig ist und zu begeistern weiß.

  7. rollenspiel schreibt:

    Tja, das würde ich auch gar nicht bestreiten, dass es Leute gibt, die das gut können. Ich kann das so lange gut, wie es eben nicht zu meinen Lasten geht, dass ein System … sagen wir Mal subideal ist. (Das sind ja eigentlich alle Systeme) Aber früher oder später kommt der Punkt, wo ich unter den Schwächen eines Systems leide. Da hab ich ein Händchen für. Sicher auch deswegen, weil ich mich eher stärker auf der mechanischen Seite der Systeme bewege. Ich will halt, dass es zusammenpasst. Und … es tut es eben oft genug nicht.

  8. Alveraniar des Verbotenen Wissens schreibt:

    Du beschwerst Dich aber auch ein paar Jährchen zu spät, oder hast Du DSA4 erst jetzt erlebt? Vielleicht lag es Dir auch dermaßen schwer im Magen, dass Du erst jetzt darüber sprechen kannst?

    Wie dem auch sei, es gibt viele Systeme mit Fehlern. Wenn Dir das ein oder andere nicht schmeckt oder Du gar darunter ‚leiden‘ musst, legst Du nicht wirklich viel Toleranz an den Tag.

    Man könnte ja auch einfach bei DSA3 bleiben, oder ein anderes System spielen, oder? Warum nur muss anstatt dessen wieder und wieder herumgenörgelt werden?

    Mich nervt nämlich wirklich kein System, denn ich spiele mit meiner Gruppe, was und wie es mir gefällt. Mich nerven nur solche Diskussionen.

  9. Pingback: D&D 4 – Diskussionen « WeltenWandel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s